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| NEUE HERAUSFORDERUNGEN FÜR DAS “TERESIANUM”, DAS SEIN 75-JÄHRIGES BESTEHEN FEIERT |
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| P. Silvano Giordano: “Eine Zeit intensiver Reflexion auf hohem Niveau mit vielen hilfreichen Anregungen” |
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Communicationes Rom (27-02-2010).- Der Leiter der Spiritualitätswochen im Teresianum, P. Silvano Giordano, sagt, die 51. Spiritualitätswoche, die am 25. Februar in Rom zu Ende ging, sei ein “Erfolg” gewesen.
Wie er in einem Interview für Communicationes hervorhob, war die Woche “eine Zeit intensiver Reflexion auf hohem Niveau, mit vielen hilfreichen Anregungen und viel Respons vonseiten des Publikums”. An den Verantstaltungen nahmen täglich mehr als hundert Personen teil.
In dem Interview geht P. Silvano, der Vizerektor der Päpstlichen Fakultät “Teresianum” in Rom ist, auf die Besonderheit dieser Spiritualitätswochen ein, die bereits seit über 50 Jahren vom Institut für Spiritualität organisiert werden. Ferner hebt er die Entstehungsgeschichte und die Bedeutung des Teresianum hervor, das am 16. Juli sein 75-jähriges Bestehen feiert.
Communicationes: Wie kam es zu diesen Spiritualitätwochen?
Silvano Giordano: Der Gedanke kam 1960, kurz nach der Gründung des Instituts für Spiritualität auf, als P. Anastasio Ballestrero General war; zunächst in der Absicht, mit einer Vortragsreihe über spirituelle Themen durch Professoren des “Teresianum” eine Art Spiritualitätskurs anzubieten, der hauptsächlich für Ordensfrauen gedacht war.
C: Welche Thematik wird auf den Spiritualitätswochen behandelt?
SG: Normalerweise wird ein zentrales Thema gewählt, das dann unter verschiedenen Gesichtspunkten angegangen wird. Es handelt sich zumeist um Themen aus der Tradition der Karmelspiritualität, z. B. lautete das Thema der ersten Spiritualitätswoche 1960 “Das Geheimnis des christlichen Betens”. Dabei versucht man, den Bezug zum aktuellen Zeitgeschehen in der Kirche herzustellen. So ging es 1966 um den Begriff “Heiligkeit” in der Dogmatischen Konstitution des Zweiten Vatikanums über die Kirche Lumen Gentium oder in diesem Jahr um die am 29. Juni 2009 erschienene Enzyklika von Papst Benedikt XVI. Caritas in veritate.
C: Hat diese Sozialenzyklika denn etwas mit Spiritualität zu tun?
SG: Es ist wahr, dass der Papst in dieser Enzyklika nicht über spirituelle Inhalte im traditionellen Sinn, sondern über anthropologische Gegebenheiten spricht. Er analysiert die gegenwärtige wirtschaftliche Lage, doch da er kein Wirtschaftsfachmann ist, geht es ihm vor allem um menschliche Grundeinstellungen angesichts der sozio-ökonomischen Situation, in der wir leben. Benedikt XVI. geht von der Enzyklika Pauls VI. Populorum Progressio (1967) aus, in der ein ganzheitlicher Humanismus mit ganzheitlichem Wachstum in Verbindung gebracht wird. Wenn wir wachsen wollen, müssen wir von einer Ökonomie des “Unentgeltlichen” ausgehen, in der unsere zwischenmenschlichen Beziehungen von der Unentgeltlichkeit und dem gegenseitigen Respekt leben. Objektiv gesehen handelt die Enzyklika nicht von der Wirtschaftslage, sondern von unseren menschlichen Grundeinstellungen im Alltag und gegenüber unseren Mitmenschen. Und als Modell dafür nennt der Papst die Dreifaltigkeit. Ein noch spirituelleres Thema findet man wohl kaum.
C: Von daher wohl auch das Thema dieser Tagung: “Entwicklung braucht Christen”?
SG: Genau. Es handelt sich um ein Zitat aus Nr. 79 der Enzyklika. Nach einigen Ausführungen über den Homo Oeconomicus, Homo Faber usw. kommt der Papst auf die Spiritualität zu sprechen, aber nicht auf eine triviale Spiritualität, bei der es nur darum geht, “anständige Menschen” zu sein, sondern er geht auf die theologische und anthropologische Grundlage der Spiritualität ein.
C: Können wir sagen, dass die Spiritualitätswoche nach 50 Jahren neue Wege geht?
SG: Es hat schon jede Spiritualitätswoche versucht, einen “kleinen Bruch” gegenüber dem zu vollziehen, was von unserer ordensinternen Tradition her immer schon gemacht wurde, um uns mehr der gesamtkirchlichen theologischen Reflexion zu öffnen. Wir haben uns ziemlich hohe Ziele gesteckt und von den Referenten eine echte theologische Reflexion erbeten, also nicht nur ein paar fromme Anregungen, sondern eine gediegene theologische Reflexion auf das, was der Mensch ist, ausgehend von aktuellen Strömungen in der Theologie. Kurz, wir wollten Spiritualität mit dem heutigen theologischen und philosophischen Diskurs verbinden.
C: War die Spiritualitätswoche Ihres Erachtens gelungen?
SG: Ich bin sehr zufrieden. Die Referenten haben wirklich eine intensive Reflexion auf hohem Niveau mit vielen hilfreichen Anregungen geboten. Wir haben das Ziel, das wir uns anfangs gesteckt hatten, also erreicht. Außerdem kam viel Respons vom Publikum. Wenn man neue Wege geht, kann es ja sein, dass das übliche Publikum nicht erreicht wird. Angesichts des Überangebots in Rom und der Tatsache, dass wir keine sehr bekannte Universität sind, hatten wir mit 40-60 Personen gerechnet, es kamen dann dann aber tatsächlich über hundert. Das heißt, das unser neues Angebot angenommen wurde.
C: In diesem Jahr begeht das Teresianum sein 75-jähriges Bestehen. Wie kam es zu dessen Gründung?
SG: Das geschah unter dem General P. Guglielmo di Sant’Alberto, der aus der römischen Provinz stammte und als General sehr aktiv war. Unter seiner Leitung entstand nach dem Ersten Weltkrieg das Internationale Kolleg, und es begannen Überlegungen für eine Niederlassung auf dem Berg Karmel und die Gründung eines Bibelinstituts in Jerusalem, das dann erst nach dem Zweiten Weltkrieg zustande kam. Mit der Apostolischen Konstitution Pius XI. Deus scientiarum dominus 1931 wurden zum ersten Mal weltweite Normen für die Priesterseminare und die katholischen Fakultäten erlassen. Damals erreichte P. Guglielmo von der Kongregation für die Studien, dass dem Internationalen Kolleg der Unbeschuhten Karmeliten, das Anfang des 20. Jahrhunderts am Corso d’Italia, dem Sitz des heutigen Generalats, gegründet wurde, der Status einer Fakultät zuerkannt wurde. Das heutige Gebäude wurde 1955 eingeweiht, 1963 verlieh Papst Johannes XXIII. der Fakultät den Rang einer “Päpstlichen Fakultät”. Anlässlich der Vierhundertjahrfeier der hl. Teresa 1982 wurde sie in “Teresianum” umbenannt.
C: Was bedeutete die Gründung des “Teresianum” für den Orden?
SG: Das war für uns etwas ganz Neues, da den Unbeschuhten Karmeliten seit den Konstitutionen von 1581 der Zugang zu Universitäten und die damit verbundene Erlangung akademischer Titel und Würden versagt war. Zum ersten Mal in der Geschichte des Teresianischen Karmel bestand nun also die Möglichkeit, einen akademischen Titel zu erlangen.
C: Was hat das “Teresianum” dem Orden in diesen 75 Jahren gebracht?
SG: Da müssen wir zwei Dinge nennen. Erstens hat es den Prozess der Internalisierung des Ordens begleitet. Bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts bestand der (männliche Zweig des) Orden(s) vor allem aus spanischen und italienischen Mitbrüdern. Es gab den Orden zwar auch anderswo, aber dies waren die beiden stärksten Gruppen. Nach dem Zweiten Vatikanum ließ sich in Afrika, Asien, Lateinamerika ein starker Zuwachs beobachten, so dass durch den Austausch über unsere Lebensweise als Karmeliten neue Perspektiven in den Blick kamen, da die Mitbrüder jetzt je nach Herkunftsland ganz unterschiedliche Erfahrungen mitbrachten.
Zweitens hat das Teresianum meiner Meinung nach zur Bildung eines akademischen Bewusstseins über die Seminarausbildung hinaus beigetragen, mit einer anspruchsvolleren theologischen Ausbildung, die Mitbrüder für spezifische intellektuelle Aufgaben vorbereitete.
C: Wie sehen Sie die Rolle des Teresianum mit Blick auf die Zukunft?
SG: Wenn wir in diesem Sinn weiterarbeiten, dann sollte es zu einem Zentrum für die theologische Reflexion und Forschung werden. Ich glaube, dass dies uns mittel- und langfristig noch fehlt und dass der Orden genau dies vom Teresianum erwartet. Es müsste darum gehen, Kräfte zu mobilisieren, um im Dialog mit anderen Bereichen unserer Kultur die zentrale Stellung Teresas, Johannes’ vom Kreuz, Edith Steins und Therese von Lisieux “im Auge des Sturms” neu auszuleuchten. Das würde der Forschung neuen Auftrieb geben.
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